Der junge Buchbinder Fischer

Zusammengetragen von Josef Fischer-Bernard

Carl Ludwig Joseph
1862
Carl Ludwig Joseph, geb. 15.08.1839

Am 15. August 1839 wurde den in Hildesheim getrauten Carl Joseph Ferdinand Fischer und Marie Wilhelmine geborene Schröder aus Bödexen in Groß Wartenberg das erste Kind geboren, das den Namen Carl Ludwig Joseph erhielt, Carl Joseph nach seinem Vater und Ludwig nach seiner Patin Ludowyka Dirbach.

            Carl Ludwig J. war ein schwächliches Kind. Die Brüder spielten häufig draußen an dem mit Kastanien bepflanzten späteren Kastanienwall.

Im Sommer 1844 fuhr Marie Wilhelmine mit ihren beiden Söhnen Carl Ludwig J. und Ludwig Maximilian mit einer Postkutsche nach Hildesheim, um Verwandte und alte Bekannte zu besuchen. Carl Ludwig J. war fünf Jahre, Ludwig Maximilian noch nicht 4 Jahre alt. Allein die Hinreise dauerte sechs Tage lang.

Am 28. Juni 1862 geht der 23-jährige Carl Ludwig Joseph Fischer auf Wanderschaft, um das Buchbinderhandwerk in der Fremde zu erlernen und zu vertiefen. Während sein Vater in dessen Wanderschaft alle Strecken noch zu Fuß zurücklegte, nutze Carl Ludwig J. Fischer jetzt schon gelegentlich einen Omnibus oder die Eisenbahn.

Nach langem Wege ist Carl Ludwig J. Fischer am 21. Juni 1863 in Hildesheim. Dort hat er auch Kontakt zu dem Buchbinder Göde, bei dem sein Vater so lange gearbeitet hatte. Carl Ludwig J. Fischer hält sich aber nur kurz in Hildesheim auf.


Auf dem Weg nach Bödexen schreibt er seiner Mutter Marie Wilhelmine einen Brief zu deren Geburtstag:

  „Herzlichst geliebte Mutter!

  Mit Innigkeit bringe ich Ihnen meinen Glückwunsch zu Ihrem Wiegenfest. Mit kindlicher Liebe steigt heut mein Gebet zu Gott, dankend und bittend. Dankend, dass er mir eine Pflegerin gab, der ich soviel Mühe und Sorgen gemacht, die nicht gescheut hat, aus mir einen Menschen zu machen, der aber auch Sie, liebe Mutter, zu schätzen und ehren weiß. Auch bitte ich Gott, Sie noch lange uns gesund zu erhalten und in diesem neuen Zeitabschnitt mit neuen Kräften zu stärken. Nie werde ich, Ihr Carl, es vergessen, was Sie an mir getan u. gewandt. Obgleich ich in der Ferne bin, so vergeß ich nicht Ihre Ermahnungsworte u. denke mit dankerfülltem Herzen an meine Kindheit zurück. Ihnen für alles innigsten Dank sagend herze und küsse ich Sie glückwünschend Ihr Sie herzliebender C.“

Im Juni 1863 hält sich Carl Ludwig J. Fischer in Bödexen und in der Umgebung bei Verwandten seiner Mutter auf. Von dort geht seine Wanderschaft weiter über  Bielefeld, Münster, Köln, Dortmund, Minden, Hannover, Berlin, Breslau, Frankfurt.

In seiner Wanderschaft ist Carl Ludwig J. Fischer durch folgende Orte gekommen:

Wartenberg, Oels, Breslau, Canth, Zobten, Schweidnitz, Waldenburg, Gottesberg, Landeshut, Schmiedeberg, Warmbrunn, Hirschberg, Schönau, Goldberg, Liegnitz, Parchwitz, Steinau, Köben, Guhrau, Bojanowo, Sprottau, Sagan, Sorau, Guben, Neuzelle, Frankfurt, Berlin, Potsdam, Werden, Brandenburg, Plauen, Genthin, Burg, Magdeburg, Helmstedt, Königslutter, Braunschweig, Wolfenbüttel, Hildesheim, Alfeld, Holzminden, Bödexen, Höxter, Lügde, Rinteln, Minden, Herford, Bielefeld, Rheda, Warendorf, Telgte, Münster, Hamm, Dortmund, Barmen, Elberfeld, Solingen, Köln.

            Am 24. Januar 1864 erreicht Carl Ludwig J. Fischer in Hildesheim die Nachricht, dass sein Vater schwer erkrankt sei. Sofort verließ er mit einer Postkutsche Hildesheim, musste auch verschiedene Strecken zu Fuß zurücklegen, traf aber seinen Vater Carl J. F. Fischer nicht mehr lebend an. Sein Vater war am 25. Januar 1864 einen Gehirnschlag erlegen.

            Nach seines Vaters Tode übernahm Carl Ludwig J. Fischer die Buchbinder-Werkstatt. Die Mutter keine Pension, sonstiges Vermögen war auch nicht vorhanden. Aus der Wohnung im Hause des Malermeisters Ibsch zog er mit seiner Mutter und seiner Schwester Hermine in das Offiziantenhaus, das noch nach dem II. Weltkrieg vorhanden war. Carl Ludwig J. Fischer erhielt diese Wohnung, weil er an der Stelle seines Vaters die Glöcknerstelle übernommen hatte.

            Im Mai 1866 kam sein Bruder Ludwig Maximilian nach Hause, der bis dahin seine Militärzeit in Holstein verbracht hatte. Carl Ludwig J. Fischer dagegen war „wegen Mindermaß“ vom Militärdienst zurückgestellt.

Zu dieser Zeit hat Carl Ludwig J. Fischer viel gearbeitet, aber auch die Geselligkeit gepflegt und in einer Theatergruppe mitgewirkt. Er ging in Groß Wartenberg gern in das Gasthaus „Schwarzes Kreuz“, um dort Billard zu spielen.

Hier lernte er Emma, die Tochter des Gastwirtes Hübner, kennen. Emma hatte Putzmacherei gelernt und war nun in Stellung in Bernstadt bei einer Frau Herde. Carl Ludwig J. Fischer hat Emma in Bernstadt einige Male besucht.

Carl Ludwigs Bruder Ludwig Maximilian Fischer heiratete am 3. Januar 1870 in Goschütz seine Ottilie geborene Bendig. Die Hochzeit fand bei Ottilies Schwester Louise statt. Carl Ludwig J. Fischer nahm mit seiner Braut Emma und seiner Schwester Hermine an der Hochzeit in Goschütz teil. Marie Wilhelmine, die Mutter der Geschwister Carl, Hermine und des Bräutigams Ludwig, musste zu Hause bleiben und für Carl den Glöcknerdienst versehen.

Bald darauf traf Carl Ludwig J. Fischer Vorbereitungen, selbst einen Hausstand zu gründen. Seine Braut Emma Hübner war immer noch in Stellung in Bernstadt. So fand die Hochzeit von Carl Ludwig J. Fischer mit Emma Hübner am 27. September 1870 in Klein Zöllnig, einem Dorf nahe Bernstadt statt. In Klein Zöllnig befand sich die katholische Kirche für die Umgebung von Bernstadt. Gefeiert wurde die Hochzeit in Groß Wartenberg.  Neben Carls Mutter und Emmas Eltern waren Ludwig Fischer mit seiner jungen Frau Ottilie und Hermine Fischer mit ihrem Bräutigam Karl Martitz sowie den Geschwistern von Emma und vielen Freunden dabei.

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